Drei Birken-Projekt

 (Offener Brief November 2013 von Michaela M. Dax)

Auf der französischen Seite, nahe des idyllischen Flüsschens Nied im sogenannten Grafenthal liegt ein 60 Ar großes, wildromantisches Grundstück mit eigener Quelle und kleinem Wald.

Auf einer schmalen Straße, der Rue du Grafenthal, gelangt man außerhalb des lothringischen Ortes Schwerdorff in Richtung Nied zum Gelände. Dort liegt „Drei Birken“ leicht versteckt in einem Seitenfeldweg, der sich Eselsgrät nennt.  Das Wort Grät stammt aus dem Französischen und beschreibt ursprünglich eine Schlucht in der Steine abgebaut wurden. Ob im Eselsgrät früher ein Bruch war und dabei Esel als Lastentiere eingesetzt wurden ist nicht bekannt, liegt aber nahe.

Tatsächlich führt der Eselsgrät in eine kleine Schlucht in der der Etzelbach fließt. Soweit zu den örtlichen Rahmenbedingungen.

Wo kommt der Name „Drei Birken“ her?

Im Frühling 2013 war es still auf dem Gelände, Spaziergängern fiel das Grundstück nicht einmal auf. Wo vor zig Jahren ein passionierter Vogelliebhaber ein Refugium hatte,  standen nun tausende von Weißdornschößlingen. Außer ein paar Rehen konnte niemand das Gelände betreten.  Ein alter vergammelter Bauwagen stand darauf und Müll hatte sich angesammelt. 

Niemand zeigte scheinbar Interesse an dem Platz, er wucherte zu. Schade, denn es war einmal ein blühender Garten gewesen mit vielen tragenden Obstbäumen. Schon vor Jahren war ich auf das Grundstück aufmerksam geworden, doch nie hatte ich jemanden erreichen können, der wusste  wem das Grundstück gehörte, eine Telefonnummer hatte oder sonst einen Kontakt. Ich ahnte jedoch schon immer, welches Kleinod sich unter all dem Gewuchere verbarg. Anfang April bat ich meinen damals noch sehr neuen Freund Leo mit mir das Grundstück zu besuchen. Dort unter drei Bäumen, die aus einem Punkt entspringen saßen wir auf einer Picknickdecke und sprachen über unser zukünftiges Leben, über Berufung und Visionen. Ich war mir sicher den richtigen Ort für mich gefunden zu haben und fragte ihn, ob er mich begleiten und an meiner Seite gehen würde, wenn ich dieses Grundstück in Angriff nähme. Es war klar, ich würde es auch alleine angehen, doch ich wollte ihn an meiner Seite haben. Wir wussten beide nicht wirklich, auf was wir uns einließen und doch folgten wir den Zeichen und unserer Intuition. An diesem Tag wurde der Name „Drei Birken“ geboren, denn darunter saßen wir.  Dass wir mit unserem nun gemeinsamen Vorhaben richtig lagen, merkten wir schnell, denn wenige Tage später gingen alle „Türen“ auf. Eine Telefonnummer fand sich, ein Name und ganz schnell ein Kontakt. Mit dem Besitzer konnte ich mich gleich auf einen guten Pachtvertrag einigen.

Was Anfangs eher als rein privates Refugium gedacht war, wurde schnell zu einem Projekt. 

Seitdem sind sechs Monate vergangen, die sich wie sechs Jahre anfühlen. Unglaublich viel hat sich bewegt, seit dem wir die Herausforderung des Projektes, das Gelände und zunehmend unsere Lebensaufgaben  annehmen.

Und was entsteht hier auf „Drei Birken“?

Wir beide, Leo und ich, bringen eine Menge mit.

Er seine musikalische Vielfalt, sein Können und Wissen als Perkussionist, Dozent und seine argentinischen Wurzeln.

Ich meine Ausbildungen im gärtnerischen- und Umweltbereich, in Feng Shui und NLP, als Coach, Beraterin und Ausbilderin. Wir haben jahrelang Informationen und Erfahrungen gesammelt und gelernt. "Nebenbei"  Familien gegründet, Kinder groß gezogen, geliebt, gelacht, geweint, nun ist es Zeit, unser Wissen gezielt weiterzugeben und aktiv zu leben, was wir lehren und lieben. Deshalb entsteht auf „Drei Birken“ nun nach und nach ein Raum für Leben und Arbeiten im Einklang mit der Natur.

Workshops, Seminare, Ausbildungen, Feste und Begegnungen, Menschen werden hier Platz haben. Aber auch die Tier- und Pflanzenwelt soll geschützt und gehegt werden. Auf dem Gelände soll deshalb mit der Zeit ein sich selbsterhaltendes System für Mensch und Umwelt nach dem Permakulturgedanken entstehen.

Permakultur auf „Drei Birken“?

Der Begriff Permakultur wurde in den 1970er Jahren von Bill Mollison und David Holmgren geprägt und entstand aus der Verknüpfung von permanent und agriculture. Als Gegenentwurf zur konventionellen Landwirtschaft mit ihrem Düngemittel- und Pestizideinsatz sowie der Tendenz zur Monokultur entwickelten die beiden Australier das Konzept eines nachhaltigen, sich selbst erhaltenden Gartenbaus. Die Permakultur geht aber noch deutlich über den biologischen Gartenbau hinaus, indem sie auch energietechnische, stadtplanerische, soziale und wirtschaftliche Aspekte integriert.

Eine erste konkrete Begegnung mit dem Thema hatte ich 2010 auf La Gomera auf der Finca Argayal, wo ich den Permakultur-Designer John Button traf. Auf der Finca hatte er aus einer öden Mango-Monokultur einen wunderbaren Garten geschaffen, der voller bunter Blumen und Gemüse war und in dem es vor Leben nur so wimmelte. Besonders beeindruckt hat mich dann ein Vortrag von ihm, der beschrieb, wie er in der Wüste in Afrika den Wasserspiegel angehoben hatte und in Indien einen Berg bewaldete und zwar dort, wo zuvor niemand daran geglaubt hatte, dass dies möglich wäre. Dieser Mann säte in mir den Gedanken der Permakultur und diesen Gedanken möchte ich auf dem Drei Birken-Gelände keimen lassen. Im Vergleich zu fernen Wüstenstrichen ist das Land dort lieblich und lebensfroh. Hier  auf „Drei Birken“ geht es nicht darum Land und Leben zurückzugewinnen, sondern dieses wunderbare Land zu nutzen ohne es zu zerstören.  

Eine seiner ersten Aktionen auf der Finca, so berichtete John Button mir im Gespräch, war die Fällung von 80 % der Mangobäume dort. Dafür wurde er von ökologisch motivierten Bewohnern der Finca  fast gesteinigt, sagte er mit einem Augenzwinkern. Auch ich habe die Erfahrung gemacht, dass der beherzte Eingriff in ein System zwar manchmal von Nöten ist um eine festgefahrene Situation aufzubrechen, aber nicht immer von außen verstanden und  begrüßt wird. Übrigens ein systemübergreifendes Phänomen, das ich auch aus dem Coaching kenne! Auf Drei Birken haben wir in den ersten Wochen und Monaten unzählige Weißdornschößlinge gerodet. Das stieß nicht überall auf Verständnis. Hier handelte es sich zwar um den absolut legitimen Versuch der Natur auf der Kulturbrache, sich ihren Raum wieder zu nehmen, aber eine ökologische Vielfalt sah doch anders aus. Direkt angrenzend an das Drei Birken-Gelände steht eine Brache, an der man deutlich erkennen kann, dass es eben nicht immer damit getan ist, der Natur ihren Lauf zu lassen wenn man Biodiversität fördern will.

Durch die Rodung wurde Platz geschaffen für eine ökologische Vielfalt und das ist auch das Ziel weiterer Aktionen. So wurde mittlerweile mit dem Freischnitt von alten Obstgehölzen begonnen, die völlig zugewachsen waren und in Folge dessen mit Krankheiten und Pilzen erheblich geschädigt worden waren.

Streuobstwiesen gehören zu unserem Kulturgut, bieten ganz besondere und schützenswerte Lebensräume für Pflanzen und Tiere, benötigen jedoch eine regelmäßige Pflege. 

Mit Öko-Romantik und Zurück zur Natur hat das „Drei Birken-Projekt“ also weniger zu tun. Wer neue Wege gehen möchte, braucht Durchhaltevermögen, vor allem Know-how und engagierte Mitstreiter. Deshalb wird das „Drei Birken-Projekt“ auch immer wieder auf Mithilfe und Unterstützer angewiesen sein. Zu bieten hat es dafür aber auch einiges. Auf „Drei Birken“ werden nach und nach, auch im Rahmen von Helfertagen und Projektwochen, Ideen umgesetzt, die einen hohen Erlebnis- und Erfahrungswert für die Teilnehmer haben und hoffentlich eifrige Nachahmer im sozialen Alltag und Umfeld finden.  

Die „Zeichen“ am Wegesrand sehen.

In diesem Naturschutzgebiet, auf dem sich das Gelände befindet, ist es untersagt, normale Häuser zu bauen. Ziel dieser Maßnahme ist es das Gebiet, vor einem massiven Eingriff durch den Menschen zu schützen. Fakt ist jedoch, dass dort Wochenendhäuser mit Dauercampern stehen,  dort tatsächlich auch angemeldet und offiziell gewohnt wird, intensive Landwirtschaft in Monokultur betrieben wird und besonders in den Sommermonaten Wochenendtourismus stattfindet. Viel wirkungsvoller als Reglementierungen wäre es ein Bewusstsein, für die Natur zu fördern und mit den Ressourcen vor Ort nachhaltig umzugehen. Hier möchten wir mit unserer Arbeit ansetzen.

Dass die Gegend nicht nur Naturschätze zu bieten hat, zeigt eine alte Siedlung in der Nähe.

Nur wenige Kilometer von „Drei Birken“ entfernt befindet sich eine alte Keltensiedlung. Sie wurde im Zuge der Freilegung auch touristisch erschlossen. Zu ihr gehören unter anderem ein Druidenpfad und ein keltischer Baumkalender. Das ganze Areal ist also uraltes Kulturland. Leider beschränkt sich die Beschäftigung mit der keltischen Kultur in der Regel auf Märkte, Events und einer romantischen Verklärung der guten alten Zeit. Dass unsere Urahnen viel mehr zu bieten hatten und vor allem einiges, was heute noch aktuell und nützlich sein könnte, davon weiß die Allgemeinheit in der Regel nicht viel.

Dies könnte sich ändern. Auf „Drei Birken“ werden Wissen und Kultur der alten Kelten wieder einen alltäglichen Raum finden. Auch hier auf dem Gelände wird es einen Baumkalender geben, mit Lehm wird gebaut werden und Wildpflanzen finden wieder ihren Weg in die Küche. Doch die gesamte Kultur der Kelten ist für unsere heutige Zeit wertvoll, denn sie birgt mehr als nur Informationen über altes Handwerk. Deshalb werden wir die Zeichen auf dem Weg nutzen, dem Hinweis auf diese Kultur durch ihre Anwesenheit folgen und uns dem Thema Kelten auch in der Tiefe nähern. Dies bedeutet uns mit den sozialen Lebensmodellen unserer Ur- Mütter und Väter auseinanderzusetzen. Wir dürfen darüber staunen wie „modern“ die Stellung mancher Frauen zum Beispiel war, wie viel die keltischen Priester und Heiler wussten. Wir dürfen feststellen, dass wir keine exotischen Schamanen importieren müssen, sondern alles schon einmal da war. Ganz nah bei uns um die Ecke sozusagen. Es heißt also nicht „Zurück zu den Wurzeln“, sondern: „Schöpfe Kraft aus deinen eigenen Wurzeln, indem Du sie kennenlernst“! Dazu wird es Vorträge und Workshops auch aus kulturanthropologischer Sicht geben. 

Ein besonderes Herzensthema wird die Arbeit mit Menschen sein.

Das Gelände bietet Raum für Naturerlebnisse und Raum für Menschen, um sich selbst wieder wahrzunehmen. Fern ab von Alltagshektik und Anforderungen seinen Körper in Musik, im Tun oder durch Berührung wieder zu spüren... Wie entspannend und sinnhaft kann einfaches Arbeiten in der Natur sein. Holz sammeln und schlagen, sägen, bauen, Feuer machen oder eine Schwitzhütte bauen, Rituale feiern, Gemeinschaft oder Alleinsein erleben.

Seit Jahren arbeite ich bereits  in Jahresgruppen mit Frauen und natürlich werden auch auf „Drei Birken“ diese Frauen einen besonderen geschützten Raum für Rituale und Workshops finden. Doch auch Männergruppen gründen sich zunehmend und sollen hier auch ihren Platz haben. Ein besonderes Anliegen ist es uns, dass „Drei Birken“ eine Begegnungsstätte für Frauen und Männer wird. Sodass  sie jeweils für sich in ihre Kraft kommen können und sich in dieser Kraft auf eine neue bessere Weise als bisher verbinden mögen.

Raum für Möglichkeiten

„Drei Birken“ wird dabei offen sein für Menschen, die sich in diesem Sinne, als Teilnehmer, Dozent, Sponsor oder Helfer engagieren möchten. Ich wünsche uns allen, dass wir diesen Raum fruchtbar machen für ….

Ideen, Wachstum, Erfolg, Vielfalt, Liebe, Begegnung, Körperwahrnehmung, Musik, Freude, Männer, Frauen, Mensch, Umwelt, Tiere, Pflanzen, Himmel und Erde.

 

Wir erleben uns auf „Drei Birken“! Bis bald!

Michaela